SSDs und die kurze Lebensdauer: Was ist dran am Festplatten-Mythos?

SSD-Lebensdauer: Was ist dran am Festplatten-Mythos?

Über die SSD-Lebensdauer halten sich hartnäckige Gerüchte im Netz, denn diese sollen im Vergleich zur klassischen HDD-Festplatte schneller den Geist aufgeben. Doch was ist dran am Festplatten-Mythos?

Zugegeben, der Start der Solid State Drives (SSD) verlief aus technischer Sicht nicht grade rosig: Die Speichermedien litten an Firmware-Problemen und starken Leistungsabfällen. Doch das ist Jahre her und die Technik hat sich seitdem entscheidend weiterentwickelt.

SSD-Lebensdauer: Wie lange hält eine SSD wirklich?

Die wichtigste Antwort einmal Vorweg: Eure SSD wird mehrere Jahre, oder gar Jahrzehnte, überstehen. Bei der detaillierteren Betrachtung muss nun zwischen drei SDD-Speichertypen unterschieden werden: Single Level Cell (SLC), Multi Level Cell (MLC) und Triple Level Cell (TLC).

Eine Samsung-Festplatte - wie lange wäre wohl dessen SSD-Lebensdauer?
Eine SSD vom Hersteller Samsung.

Die Unterschiede zwischen diesen liegen – wie es die englischen Begriffe bereits erahnen lassen – bei den pro Speicherzelle gespeicherten Bits. Je mehr Informationen (also Bits) pro Zelle gespeichert werden, desto höher ist auch der Verschleiß einer SSD. Das spiegelt sich natürlich auch im Preis der Speichermedien wider. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet dabei der MLC-Speicher, der dreimal so viele Schreibzyklen wie der günstigere TLC-Speicher aushält. Der noch leistungsstärkere SLC-Typ hat sich aufgrund seines hohen Preises noch nicht durchgesetzt.

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Was bedeuten die Speichertypen für die Lebensdauer einer Festplatte?

Wie erwähnt, lässt sich die SDD-Lebensdauer am Speichertyp und den damit einhergehenden Schreibzyklen festmachen. Eine SSD-Festplatte des Typs MLC hält ungefähr 3000 Schreibzyklen aus. Das klingt zunächst nicht nach besonders viel, allerdings verschleißt eine SSD anders als eine klassische HDD-Festplatte nicht beim Lesen von Daten. Folglich wird eine SSD nur bei Schreib- und Löschvorgängen abgenutzt.

Wichtig für die SSD-Lebensdauer: Wear Leveling und Bad-Block-Management

Mit weiteren modernen Technologien wird die Lebensdauer einer SSD-Festplatte zusätzlich geschont. Beim sogenannten „Wear Leveling“ werden gespeicherte Daten gleichmäßig auf den gesamten Speicherplatz verteilt. Dadurch werden alle Speicherzellen gleich belastet – und bestmöglich geschont.

Außerdem besitzen aktuelle SDDs Reservekapazitäten, durch die defekte Zellen sozusagen repariert werden. Kaputte Zellen werden beim „Bad-Block-Management“ durch Reservezellen ausgetauscht, wodurch sich die SSD-Lebensdauer nochmals deutlich erhöhen lässt.

Die genaue SSD-Lebensdauer per Formel berechnen

Nehmt ihr es mit den Zahlen und Zyklen ganz genau, könnt ihr die voraussichtliche Lebensdauer eurer SSD auch per Formel berechnen. Hierzu müsst ihr die Schreibzyklen mit der Kapazität in Gigabyte multiplizieren und diesen Wert durch das Produkt aus SSD-Faktor und der pro Jahr geschriebenen Daten in Gigabyte teilen. Konkret sieht dies am Beispiel der 500GB Samsung 850 Pro-SSD so aus:

Mit dieser Formel könnt ihr die SSD-Lebensdauer berechnen.
Mit dieser Formel könnt ihr die SSD-Lebensdauer berechnen.

Tipps zur Berechnung:

Höchstwahrscheinlich werdet ihr die exakten Daten, etwa euren jährlichen GB-Verbrauch, nicht genau wissen. Das ist aber kein Problem und ihr könnt euch an einer Reihe von Richtwerten orientieren. Als jährlichen Speicherbedarf könnt ihr einen Wert um die 2.000 Gigabyte verwenden. Außerdem empfiehlt sich als „SSD-Faktor“ der Einsatz des höchstmöglichen Werts 5. Bei MLC-Speicher rechnet ihr mit 3.000 Schreibzyklen, bei TLC-Speicher mit 1.000.

Tools und Software: Kann ich die SSD-Lebensdauer optimieren?

Viele Programme werben mit der Optimierung von SDD-Festplatten. Doch von einem Großteil dieser solltet ihr lieber die Finger lassen und nicht unnötig an eurer SSD herumspielen. Auch die Defragmentierung über Windows, die für HDD-Platten häufig eingesetzt wird, ist für SSDs eher schädlich als nützlich. Dadurch würdet ihr auf eurer SSD nur unnötige Schreib- und Löschvorgänge durchführen und dessen Lebensdauer verkürzen.

Eines der wenigen empfehlenswerten Tools ist die „Samsung Magician“-Software. Mit dieser könnt ihr eure Samsung-SSD analysieren und den Laufwerkszustand im Blick behalten. Eine alternative, kostenlose Analyse-Software für Festplatten aller Hersteller ist „GSmart Control“ mit ähnlichen Funktionen.

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SSD „verbrauchen“: Die Daten bleiben trotzdem erhalten

Selbst wenn ihr den Lebenszyklus eurer SSD-Festplatte vollkommen ausgereizt habt, ist die Festplatte noch nicht unbrauchbar. Denn der Verschleiß bezieht sich, wie bereits erwähnt, nur auf Schreib- und Löschprozesse. Ihr könnt also weiterhin Daten von eurer „totgeschriebenen“ SSD lesen und diese gehen nicht verloren.

SSD vs HDD: Fazit hinsichtlich der Lebensdauer

Die modernen SSD-Festplatten überzeugen nicht nur hinsichtlich ihrer Geschwindigkeit. Sondern auch im direkten Vergleich mit einer HDD-Platte überzeugen SSDs mittlerweile durch eine hohe Lebensdauer. Dafür sorgen auch die neuesten Technologien wie „Wear Leveling“ oder „Bad-Block-Management“. Und seien wir mal ehrlich: Wer würde ein und dieselbe Festplatte denn länger als zehn Jahre lang verwenden?

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