Kampf der Platzhirsche: Plötzlich ist Microsoft „cooler und innovativer“ als Apple

Apple vs Microsoft

Cola gegen Pepsi, Hamburg gegen Bremen, macOS gegen Windows: Immer wieder werden ikonische Duelle auf dem hart umkämpften Consumer-Markt ausgetragen. Wer einmal einer Seite verfallen ist, bleibt dieser meist über Jahre treu. Doch plötzlich kommt Bewegung in die Technik-Welt: Der Moment, an dem Microsoft plötzlich cooler als Apple wurde – ein Kommentar.

„Apple steht für Innovation.“ So oder ähnlich lautet vermutlich die Antwort eines jeden Apple-Jüngers auf die Frage nach der Kerneigenschaft des iPhone-Konzerns. So zumindest bis vor wenigen Tagen. Denn nach zwei entscheidenden Präsentationen, in denen Apple und Microsoft jeweils ihre Zukunftspläne umworben, erwägen viele den Sprung von iOS beziehungsweise macOS ins wärmer scheinende Windows-Wasser. Der Grund: Apples einst tragende Eigenschaft der „coolen Innovationen“ ist mehr denn je Microsoft zuzuschreiben.

Apple wirft sinnvolle Techniken und Pläne über Bord

Purer Adapter-Wahnsinn: Die jüngsten Innovationen des iPhone-Konzern.
Purer Adapter-Wahnsinn: Die jüngsten Innovationen des iPhone-Konzern. (Quelle: Twitter @dbreunig)

Wer hat Apple zum international führenden Unternehmen geformt? Klar, Steve Jobs. Ob iPhone, iPad, iPod oder iMac: Alle Innovationen gingen vom ihm als Schlüsselfigur aus. Doch genau diese scheint Apple nun bitter zu fehlen. Anstelle echter Innovationen werden uns immer wieder aufgewärmte Techniken aufgetischt. Die Interessen der Kunden finden kaum Beachtung.

Das zeigt sich in vielerlei Aspekten. Zunächst wirft Apple durchdachte Technologien über Bord: Kein Magsafe-Ladekabel mehr, ein kleinerer Akku und ab Werk veraltete Prozessoren. Als Ausgleich werden mit dem neuen Macbook Pro 2016 „große Innovationen“ verkauft, die im Endeffekt niemand braucht: Eine kleine Touch-Leiste für Emojis und undurchsichtige Anschluss-Konzepte, die eine Vielzahl nötiger Adapter mit sich bringen.

Apple vs Microsoft: Die Redmonder zeigen, wie es besser geht

Die Ankündigungen, die vorab des großen Events eigentlich von Apple erwartet wurden, präsentierte am Ende jedoch ein ganz anderes Unternehmen: Microsoft läuft Apple in vielen Punkten den Rang ab. Die Redmonder werden Innovationsführer und haben mit der Ankündigung ihres ersten All-in-One-PC gleichzeitig eine neue Kategorie im Hardware-Markt geschaffen: eine Art Hybrid-Desktop-Tablet-PC.

Dieser strotzt nur so vor kreativen Ideen. Es wirkt, als wolle Microsoft den Markt befeuern und anderen Herstellern wie Acer oder Lenovo neue Ideen für deren Produkte weitergeben. Von der weiteren Bewegung würde Microsoft natürlich auch profitieren – schließlich verwenden die Geräte der genannten Hersteller allesamt das hauseigene Windows 10.

Microsoft stellt die neuen Surface-Geräte vor.
Grund zur Freude: Panos Panay, Hardware-Chef bei Microsoft, während der Vorstellung der neuen Surface-Geräte.

Microsofts Produktpalette: Surface Studio, Surface Dial und Surface Book

Mit dem neu angekündigten Surface Studio setzt Microsoft viele gute Ideen um. Kurz zusammengefasst: Das Surface Studio ist ein All-in-One-PC – wie man es beispielsweise auch von Apples iMac kennt. Nur hat Microsofts-Lösung einen kompletten Touch-Screen sowie besondere Scharniere. Dank denen lässt sich der Desktop-PC kurzerhand zum Tablet umfunktionieren. Eingaben macht ihr dann bequem per Displaystift. Oder ihr nutzt dafür das Surface Dial – eine neuartige Eingabemöglichkeit per Drehbewegung.

Im Praxiseinsatz: Zeichnen auf dem Surface Studio.
Im Praxiseinsatz: Zeichnen auf dem Surface Studio, justieren der Farbpalette via Surface Dial.

Aber auch darüber hinaus weiß der Windows-Hersteller zu begeistern. Die Redmonder präsentierten nämlich noch eine überarbeitete Version des Surface Book. Dieses kommt mit i7-Prozessor und einer abnehmbaren Tastatur. Clever: Microsoft wartet mit der komplett neuen Generation der Netbooks, bis der neue Kaby Lake-Prozessor von Intel voll einsatzbereit ist.

Viele verlangen, Apple solle doch Macbook und iPad zusammenführen. Das Ergebnis dessen wäre ein leistungsstarker Tablet-PC mit abnehmbarer Tastatur. Genau das, was Microsoft mit dem Surface Book schon jetzt in bester Qualität abliefert. Touché!

Der Microsoft Aktienkurs hat sich in nur 20 Monaten verdoppelt

Unter der Führung von Satya Nadella weist der Microsoft-Konzern tatsächlich Parallelen zu Steve Jobs zu Beginn seiner zweiten Apple-Regentschaft auf. Produkte und Programme werden rigoros gestrichen. Das erste Opfer: Die unprofitable Mobile-Sparte. So entstand ein neues, schlankeres Microsoft.

Die Erfolge dessen können sich sehen lassen. Innerhalb von 20 Monaten hat sich der Aktienkurs des Unternehmens verdoppelt. Dafür sorgen die vielen innovativen Produkte, die nicht nur in der Konzeptphase stecken bleiben: die Surface-Reihe, eine Augmented-Reality-Brille, HoloLens und die jüngst angekündigte 3D-Unterstützung.

Wie lange kann Tim Cook das Jobs-Erbe am Leben halten?

Apple spürt steigenden Druck am Markt. Denn die wirklichen Innovationen bringen andere. Bestes Beispiel: Das Konzept des kommenden iPhone 8 hat der chinesische Hersteller Xiaomi mit dem Mi Mix schon jetzt umgesetzt. Ein randloses OLED-Display mit Keramikgehäuse. Auch beim iPhone 7 setzten die Kern-Features bereits andere Hersteller vor Apple um. Vielleicht ist Satya Nadella genau der, der dem Apple-Konzern aktuell fehlt.

Unterschiedliche Reaktionen: Die Produktvideos von Surface und Macbook

Kurzum: Microsoft läuft Apple klar den Rang ab. In den sozialen Netzwerken preisen selbst hartgesottene Apple-Anhänger Microsoft als „coolste Hardware-Firma“. Das lässt sich ebenfalls bei den Produktvideos der jeweils neuen Top-Produkte beobachten. Bei diesen setzt schließlich meist erst der große Hype der breiten Masse ein. Hier verzeichnet Microsoft acht Millionen Klicks – Apple abgeschlagene drei Millionen.

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